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  Die kultivierte Natur  
  Park Hof Ter Saksen, Beveren, Belgien.  
 
 

... von einer gleichen Sensibilität und Empathie für die Umgebung in der er arbeitet, zeugen drei Anlagen von Stefaan van Biesen, ‘Zoemer 1’, ‘Appendix’ (‘Bibliotheek) und ‘Plantenprater’. Für ihn ist der Park, die Natur, kein Hintergrund, sondern wird er fast ein Medium, ein Platz wo der Mensch mit unerklärlichen Phänomenen und unlösbaren Fragen, aber auch mit seiner Ohnmacht und Nichtigkeit konfrontiert wird. Zweifel und Melancholie sind im Werk von Van Biesen nie weit entfernt. 

‘Zoemer I’ (Summer I), gehört zu einer Reihe von Werken die aus seiner Faszination für die Geräusche in der Natur und der Bienenwelt gewachsen sind. Es ist ein Schallkasten aus Holz mit Schalllöchern, dessen Rücken aus organischem Material von Federn, Sand und Schaum angefertigt worden ist. Überrraschend ist die Konfrontation zwischen der glatten Vorderseite und der Rückseite, die an ein Tiernest oder an Gewölle einer Eule erinnert. Als ob der Künstler den scheinbaren (?) Gegensatz zwischen Natur und Kultur aufheben will. Das Werk liegt da wie ein gekünstelter Reliquienschrein auf zwei Ästen eines groβen Baumes in der Buchenallee. Ist es ein Sühnopfer an den Baum oder ein Geschenk des Baumes?

Irgendwo anders im Park lässt er eine kleine Bibliothek an den Ast eines Baumes lehnen, auf einem Ast der sich von diesem Baum abzukehren scheint, gestützt von einem Nistkästchen. Die Bücher sind an einander festgemacht worden und dadurch unlesbar. “Ich bin ein schweigender Zuschauer der am Fuβ deiner Krone erfährt wie unerreichbar Wissen sein kann, wie ungreifbar das Leben manchmal ist,” so schreibt er in ‘Brief aan een boom’ (‘Brief an einen Baum’). Wie ist es zum Beispiel möglich dass Vögel pfeifen und fliegen können? “Die Wissenschaft sucht nach Lösungen unbeantworteter Fragen und während ich mich deinen Bast ansehe, mit den Büchern die deine Äste tragen, frage ich mich ob wir je wirklich wissen werden. Ob der Mensch imstande sein wird nach dem Wissen zu langen, das das Geheimnis des Lebens erklärt (...). Hier komme ich der Natur meine Nichtigkeit bezeigen, meine Ohnmacht um zu erklären ist ein Erkennen und grenzenloses Genieβen ihrer Schönheit.” Kunst als Versuch um die tröstende Natur zu ergründen. Mit dem ‘Plantenprater’ scheint er ein Instrument hinreichen zu wollen um den (unmöglichen?) Dialog mit der Natur anzufangen. Es ist ein groβer Souffleurkasten in den man sich stellen kann. Durch einen waagerechten Schlitz sieht man dann einen kleinen Teil eines Bäumleins. Der Kasten ist ein Werkzeug durch das man gegen eine Birke reden und ihr Mut zusprechen kann um groβ und stark zu werden. Es ist also eher eine Metapher für die Unfähigkeit, auf eine natürliche Art und Weise mit der Natur zu konversieren...

 
  Paul Geerts, Publizist,  
  ‘De natuur gecultiveerd’, De Morgen, 31. Mai 2003.  
     
       
     
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